DynamicES Dokumentation

Konzeption der Simulation

Die Grundlage jeder Energiesystemanalyse bildet eine klar strukturierte Simulationskonzeption. Bevor Daten eingegeben oder Berechnungen durchgeführt werden, ist es entscheidend, die Fragestellung und die Zielsetzung der Analyse zu definieren. Darauf aufbauend werden geeignete Szenarien entwickelt, die unterschiedliche Rahmenbedingungen, Annahmen und Randparameter abbilden.

Eine durchdachte Szenarienstruktur erleichtert nicht nur den Vergleich der Ergebnisse, sondern erhöht auch die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Simulation. In diesem Kapitel wird beschrieben, wie ein sinnvoller Aufbau der Szenarien erfolgt und welche strategischen Überlegungen dabei helfen, konsistente und aussagekräftige Analysen zu erstellen.

Grundgedanke der Beispielsimulation

Im Rahmen des Beispiels wird gezeigt, wie sich die Integration eines elektrischen Speichers auf ein bestehendes Energiesystem auswirkt. Ziel sei es, die Auswirkungen unterschiedlicher Systemvarianten auf Energieverbrauch, Netzinteraktion und Wirtschaftlichkeit zu analysieren.

Simulationsziel:

Ziel der Simulation ist die Untersuchung unterschiedlicher Ausgestaltungen eines Energiesystems, das aus Strombedarf, Netzanschluss, einer Photovoltaikanlage (PV-Anlage) sowie einem Batteriespeicher besteht.

Im Mittelpunkt stehen folgende Fragestellungen:

  • Welche Auswirkungen hat ein PV-System ohne Speicher im Vergleich zu einem PV-System mit Batteriespeicher (Kapazitäten: 200 kWh und 400 kWh)?

  • Wie verändert sich das Systemverhalten, wenn zusätzlich ein dynamischer Stromhandel berücksichtigt wird?

  • Welche Unterschiede ergeben sich bei der Nutzung verschiedener Stromtarifmodelle?

Szenarienaufbau

Die Simulation besteht aus mehreren Szenarien, die schrittweise erweitert werden. So kann der Einfluss einzelner Komponenten isoliert und im Zusammenspiel analysiert werden.

Szenario

Kurzbeschreibung

Ausführliche Beschreibung

Szenario_0

IST-System

Abbildung des IST Systems bestehend aus Strombedarf und elektrischem Netzanschluss.

Szenario_1

+ PV

Ergänzung einer PV Anlage 995kWp

Szenario_2

+ PV+ Batteriespeicher klein

Ergänzung einer PV-Anlage und eines kleinen Batteriespeichers 200kWh

Szenario_3

+ PV+ Batteriespeicher groß

Ergänzung einer PV-Anlage und eines großen Batteriespeichers 400kWh

Szenario_4

+PV+ Batteriespeicher klein + dynamischer Preis

Ergänzung einer PV-Anlage und eines kleinen Batteriespeichers mit dynamischem Stromtarif

Szenario_5

+PV+ Batteriespeicher groß + dynamischer Preis

Ergänzung einer PV-Anlage und eines großen Batteriespeichers mit dynamischem Stromtarif

Szenario_0
IST- System (Nur Netzanschluss + elektrischer Bedarf)

Ziel dieses Szenarios

Abbildung des aktuellen Ist-Zustands des Energiesystems ohne erneuerbare Erzeugung und ohne Speicher. Der gesamte elektrische Bedarf wird vollständig aus dem Netz gedeckt.

Systemkomponenten und Einstellungen in der Eingabemaske

Netzanschluss elektrisch

Komponente

Wert

Begründung

Netzanschluss elektrisch 1 Status

aktiv

Aktivierung notwendig, da Strom ausschließlich über das Netz bezogen wird.

Netzanschluss elektrisch 1 Bezugsbegrenzung

1.400 kW

Maximale Leistung, die aus dem Netz bezogen werden kann.

Netzanschluss elektrisch 1 Einspeisebegrenzung

1.400 kW

Technisch identisch zur Bezugsbegrenzung, obwohl keine Einspeisung erfolgt.

Netzanschluss elektrisch Preiszusammensetzung

Netzanschluss elektrisch 1 Dynamischer Stromhandel Auswahl

Ohne

Kein dynamischer Stromhandel im IST-Zustand vorgesehen.

Netzanschluss elektrisch 1 Leistungspreis

190 €/kW

Leistungspreis resultierend aus den Netzentgelten.

Netzanschluss elektrisch 1 Arbeitspreis Festpreis

19 ct/kWh

Konstanter Strompreis für bezogene Energie.

Elektrische Bedarfsdaten

Elektrischer Bedarf 1 Status

aktiv

Aktivierung notwendig, um das Lastprofil zu simulieren.

Elektrischer Bedarf 1 Lastprofil Name

StrombedarfGewerbe

Profil stammt aus dem Arbeitsblatt mit 15-minütiger Auflösung.

Elektrischer Bedarf 1 Lastprofil Energieeinheit

kW

Zeitreihe liegt in kW vor.

Zusammenfassung des IST-Szenarios

Dieses Basisszenario bildet den reinen Netzbezug ab und dient als Vergleichsgrundlage für weitere Szenarien mit PV-Anlage, Batteriespeicher oder anderen Technologien. Es zeigt auf, wie hoch der aktuelle Energieverbrauch sowie die Netzanschlusskosten sind – und bildet somit die Referenz zur Bewertung möglicher Optimierungspotenziale.

Szenario_1
Netzanschluss + Elektrischer Bedarf + PV-Anlage

Ziel dieses Szenario

Abbildung eines Systems mit Netzanschluss und einer PV-Anlage mit Ost/West-Ausrichtung, um den Netzbezug und damit die Kosten zu reduzieren. Dieses Szenario baut auf dem IST-Zustand auf und wird ergänzt durch eine Photovoltaikanlage.

Systemkomponente und Einstellung in der Eingabemaske

Netzanschluss elektrisch

unverändert

Elektrische Bedarfsdaten

unverändert

Erneuerbare Energieerzeugung

Komponente

Wert

Begründung

PV 1 Status

aktiv

PV-Anlage wird neu hinzugefügt.

PV 1 Verwendung

Eigenbedarf + Netzeinspeisung

PV-Strom wird vorrangig selbst genutzt, Überschüsse werden eingespeist.

PV 1 Simulierung

Leistung

Erzeugung eines Standardprofils anhand der Nennleistung der Anlage (Alternative: Profil - Angabe einer eigenen Zeitreihe)

PV 1 Leistung

995 kW

Nennleistung der PV-Anlage

PV 1 Anteil Ost

50,0%

Gleichmäßige Verteilung zur besseren Tagesabdeckung

PV 1 Anteil Süd

0,0%

Keine Südausrichtung in diesem Szenario.

PV 1 Anteil West

50,0%

Ergänzung zur Ostseite für breitere Erzeugungskurve.

Erneuerbare Energien Abregelung Status

aktiv

Aktivierung notwendig, da erneuerbare Energiequellen im System enthalten sind.

Zusammenfassung des Szenarios

Dieses Szenario erweitert den IST-Zustand um eine PV-Anlage mit Ost/West-Ausrichtung, was zu einer breiteren Verteilung der PV-Erzeugung über den Tagesverlauf führt. Durch diese Konfiguration wird nicht nur der Eigenverbrauchsanteil erhöht, sondern auch die gleichmäßigere Netzeinspeisung gefördert, was für den Netzbetreiber vorteilhaft sein kann. Das Szenario bietet eine realitätsnahe Grundlage für die Bewertung wirtschaftlicher Vorteile durch Reduktion des Netzbezug und Einspeisung insbesondere im Vergleich zum reinen Netzbezug.

Szenario_2 / Szenario_3
Netzanschluss + Elektrischer Bedarf + PV-Anlage
+ kleiner/großer Batteriespeicher

Ziel dieses Szenario

Untersuchung eines hybriden Energiesystems mit Netzanschluss, PV-Anlage und zusätzlichem Batteriespeicher. Ziel ist es, den Eigenverbrauchsanteil weiter zu erhöhen, Lastspitzen zu reduzieren und die PV-Erzeugung besser zu nutzen.

Systemkomponente und Einstellung in der Eingabemaske

Netzanschluss elektrisch

unverändert.

Netzanschluss elektrisch Preiszusammensetzung

unverändert

Spitzenlastmanagement

Komponente

Wert

Begründung

Netzanschluss elektrisch 1 Spitzenlastmanagement

aktiv

Aktiv, um Lastspitzen mit Hilfe des Batteriespeichers wenn möglich zu reduzieren.

Elektrische Bedarfsdaten

unverändert

Batteriespeicher

Speicher elektrisch 1 Status

aktiv

Der Batteriespeicher wird dem System hinzugefügt.

Speicher elektrisch 1 Energie

200 kWh/400 kWh

Speichergröße für kurzzeitige Lastverschiebung und PV-Zwischenspeicherung.

Speicher elektrisch 1 Ladewirkungsgrad

96%

Technisch realistischer Wert moderner Batteriesysteme.

Speicher elektrisch 1 Selbstentladungswirkungsgrad

95%

Berücksichtigt geringe Verluste bei Nichtnutzung.

Speicher elektrisch 1 Leistung

100 kW / 200 kW

Maximale Lade- Entladeleistung begrenzt auf typische Anwendung im Gewerbe

Speicher elektrisch 1 Beladung

Eigenstrom + Netzbezug

Der Speicher kann sowohl durch Energie aus der PV-Anlage als auch (wenn sinnvoll) aus dem Netz geladen werden.

Speicher elektrisch 1 Verwendung

Eigenbedarf

Speicher wird ausschließlich zur Eigenverbrauchsoptimierung eingesetzt. Keine Netzeinspeisung.

Erneuerbare Energieerzeugung

unverändert

Zusammenfassung des Szenarios

Dieses Szenario erweitert das Energiesystem um einen Batteriespeicher, der dazu beiträgt, den Eigenverbrauch zu maximieren, die Netzlast zu reduzieren und PV-Überschüsse zeitversetzt zu nutzen. Die Kombination aus PV + Speicher ist besonders effektiv in Szenarien mit hohen Strompreisen und gleichzeitig schwankendem Verbrauch.

Szenario_4 / Szenario_5
Netzanschluss + Elektrischer Bedarf + PV-Anlage
+ Batteriespeicher + Dynamischer Stromhandel

Ziel dieses Szenarios

Bewertung eines hybriden Energiesystems mit Netzanschluss, PV-Anlage, Batteriespeicher und dynamischem Stromhandel. Der Fokus liegt auf der Integration von Day-Ahead-Marktpreisen für Strombezug und Einspeisung, um zusätzliche wirtschaftliche Potenziale durch marktoptimiertes Verhalten zu erschließen.

Systemkomponente und Einstellung in der Eingabemaske

Netzanschluss elektrisch

unverändert

Netzanschluss elektrisch Preiszusammensetzung

Komponente

Wert

Begründung

Netzanschluss elektrisch 1 Dynamischer Stromhandel Auswahl

Einspeisung + Bezug

Eingespeister als auch bezogener Strom wird nach einem dynamischen Tarif abgerechnet. (Day-Ahead-Markt).

Netzanschluss elektrisch 1 Leistungspreis

190 €/kW

Jahresgebühr für maximale Netzanschlussleistung bleibt gleich.

Netzanschluss elektrisch 1 Bezugskosten dynamischer Stromhandel

5 ct/kWh

Zusätzliche Gebühren für den Bezug über den Day-Ahead-Markt.
(Steuern, Umlagen, Netzentgelt (Arbeitspreis))

Netzanschluss elektrisch 1 Einspeisekosten dynamischer Stromhandel

1 ct/kWh

Vermarktungskosten für die Einspeisung über den Markt.

Netzanschluss elektrisch 1 Bezugspreis Zeitreihe Name

DayAhead_2024

Reale Zeitreihe des Day-Ahead-Marktpreis für 2024 (Bezug).

Netzanschluss elektrisch 1 Einspeisevergütung Zeitreihe Name

DayAhead_2024

Vergütung auf Basis derselben Preiszeitreihe – abhängig von Marktwerten.

Spitzenlastmanagement

Netzanschluss elektrisch 1 Spitzenlastmanagement

aktiv

Aktiv, um Lastspitzen ggf. zu glätten oder zu reduzieren.

Elektrische Bedarfsdaten

unverändert

Batteriespeicher

unverändert

Erneuerbare Energieerzeugung

unverändert

Zusammenfassung des Szenarios

Szenario_4 / Szeanrio_5 erweitern das vorherige PV+Speicher-System (Szenario_2/szenario_3) um dynamischen Stromhandel über Day-Ahead-Marktdaten.
Die Preise für Bezug und Einspeisung sind nun zeitvariabel, wodurch das System auf Preissignale reagieren kann.
Das ermöglicht neue Strategien:

  • Netzbezug bei niedrigen Preisen, z. B. zur Speicherladung

  • Einspeisung bei hohen Preisen, zur Erlösoptimierung

  • Anreiz für Lastverschiebung und Eigenverbrauchsoptimierung

Dieses Szenario eignet sich ideal für die Bewertung der Wirtschaftlichkeit dynamischer Stromtarife, insbesondere im Zusammenhang mit Speicher- und PV-Strategien.