DynamicES Dokumentation

Energiebedarfe

In diesem Abschnitt wird erläutert, wie elektrische, thermische und Brennstoffbedarfe in DynamicES erfasst und verarbeitet werden. Dabei wird beschrieben, in welcher Form die Eingangsdaten vorliegen müssen und wie sie korrekt eingebunden werden. Zusätzlich werden optionale Einstellungen wie Skalierungsfaktoren und Zeiteinheiten erklärt.

Ein besonderer Fokus liegt auf den Unterschieden zwischen den Bedarfstypen sowie auf der Berechnung des tatsächlichen Strombedarfs aus Mess- und Erzeugungsdaten. Diese Berechnung ist entscheidend für eine realistische Simulation und die Bewertung von Eigenverbrauch und Netzbezug.

Die restliche Seite bietet praxisnahe Anleitungen und Beispiele, die Anwender dabei unterstützen, typische Fehler zu vermeiden und die Bedarfsdaten optimal für Simulation und Analyse zu nutzen.

Bedarfstypen:

  1. Elektrischer Bedarf

  2. Thermischer Bedarf

  3. Brennstoff Bedarf


Energiebedarf in DynamicES: Steuerbar vs. nicht steuerbar

In DynamicES bezieht sich die Komponente Energiebedarf (Strom, Wärme oder Brennstoff) jedoch ausschließlich auf den nicht steuerbaren Bedarf – also jene Energieverbräuche, die nicht durch andere modellierte Komponenten im Optimierungssystem beeinflusst oder aktiv gesteuert werden.

Ein typisches Beispiel: Der Strombedarf einer Wärmepumpe zählt nicht zum Energiebedarf dieser Komponente, wenn die Wärmepumpe im Modell als eigene, steuerbare Komponente angelegt ist. Soll die Wärmepumpe jedoch nicht aktiv optimiert oder gesteuert werden, muss ihr Strombedarf im Energiebedarf enthalten sein, damit er korrekt berücksichtigt wird.

Die Komponente Energiebedarf (Strom, Wärme, Brennstoff) bildet also ausschließlich, die nicht direkt modellierten und nicht steuerbaren Energieverbräuche ab.

Diese Unterscheidung ist entscheidend für eine konsistente Modellstruktur und eine realistische Simulation des Energieflusses.


Nicht steuerbarer Strombedarf vs. Lastgang am Netzanschlusspunkt

Dieser Abschnitt erläutert die Begriffe „nicht steuerbarer Strombedarf“ und „Lastgang am Netzanschlusspunkt“, beschreibt deren Unterschiede und zeigt deren Relevanz für die energetische Bewertung und Simulation in Energiesystemen mit Eigenerzeugung.

Nicht steuerbarer Strombedarf

Der nicht steuerbare Strombedarf umfasst alle elektrischen Verbraucher, deren Betrieb nicht zeitlich verschiebbar oder regelbar ist. Diese Lasten müssen kontinuierlich und zuverlässig gedeckt werden, unabhängig von Strompreis, Eigenversorgung oder Netzverfügbarkeit.

Typische Merkmale:

  • Zeitlich fixierter Verbrauch

  • Keine Flexibilisierung durch Lastmanagement

  • Relevanz für Mindestversorgungsanforderungen

Typische Komponenten:

  • Grundlast von Maschinen

  • Lüftung

  • PV-Anlagen, Wärmepumpen (WP), Blockheizkraftwerke (BHKW) (sofern sie nicht flexibel steuerbar sind)

Lastgang am Netzanschlusspunkt

Der Lastgang am Netzanschlusspunkt ist die zeitlich aufgelöste Messung der elektrischen Leistung, die über den Netzanschlusspunkt bezogen oder eingespeist wird. Er wird typischerweise in 15-Minuten-Intervallen erfasst und dient als Grundlage für Abrechnung und Netzplanung.

Typische Merkmale:

  • Gemessene Werte (z. B. durch Smart Meter)

  • Enthält nur den Netzbezug bzw. die Netzeinspeisung

  • Beeinflusst durch Eigenverbrauch und Eigenerzeugung


Vorgehensweise zur Ermittlung des nicht steuerbaren Strombedarfs

Lastgang Netzanschlusspunkt (gemessen):

  • Enthält: Netzbezug = Strombedarf – Eigenverbrauch aus Eigenerzeugung (sofern vorhanden)

  • Was fehlt: Eigenverbrauch aus PV/BHKW etc.

Erzeugungsdaten der Stromerzeuger:

  • PV-Anlage: Erzeugungslastgang (z. B. aus Wechselrichterdaten)

  • BHKW: Erzeugungslastgang aus Energiemonitoring

  • Wichtig: Unterscheidung zwischen Eigenverbrauch und Einspeisung

Bilanzierung des Strombedarfs:
Strombedarf (t) = Netzbezug (t) + Eigenverbrauch (t)
mit Eigenverbrauch (t) = Erzeugung (t) – Einspeisung (t)

Beispiel:

  • Netzbezug um 12 Uhr: 50 kW

  • PV-Erzeugung: 30 kW

Dann:

  • Strombedarf = 50 kW + 30 kW = 80 kW

  • Nicht steuerbarer Anteil: z. B. Grundlast von Maschinen, Lüftung etc.